Lothars Reiseberichte

Nordseeinsel Föhr mit Amrum

Friesische Karibik Föhr

Die Nordsee gehörte bisher eher nicht zu unseren Traumzielen in Deutschland. Das lag daran, dass meist das Wasser verschwunden war, wenn wir einmal einen Deich geentert hatten oder einen Nordseehafen besuchten. Selbstverständlich ist uns die Bedeutung von Ebbe und Flut geläufig; doch stellten wir uns immer wieder die Frage, warum immer Ebbe war, wenn wir mal wieder an die Nordsee fuhren. Vielleicht lag es ja daran, dass wir keine Tide-APP auf unserem Smartphone haben. Doch das erklärt sich dadurch, dass wir bis 2016 wahrscheinlich zu den letzten Weltbürgern gehörten, die noch ohne Smartphone auskamen.
Dennoch, obwohl wir dieses Watt-ohne-Wasser-Problem haben, entschlossen wir uns im September 2015 für ein paar Tage auf eine Nordseeinsel zu fahren. Die Wahl fiel auf die Insel Föhr, auch Friesische Karibik genannt. Wir haben es nicht bereut. Tatsächlich haben wir es dann 2 Jahre später noch einmal getan, diesmal im Mai.

Die Anreise mit dem eigenen Auto nach Dagebüll entwickelte sich als eine Geduldsprobe. Die fast 90 Km der gut ausgebauten Bundesstraße 5 im Anschluss an die A23 fuhren sich schier endlos, besonders weil wir in einer langen Autoschlange hinter einem LKW hinterher zuckeln mussten; und es fuhr immer ein LKW vorne weg. Mit reichlich viel Puffer in der Reisezeit ausgestattet, erreichten wir trotzdem rechtzeitig den Fährhafen von Dagebüll. Kurz vor dem Fähranleger in Dagebüll gibt es einen Großparkplatz mit einem Bistro und einem Shuttlebus zum Anleger für diejenigen, die das Auto nicht mit auf die Insel nehmen möchten. Direkt am Fähranleger steht ebenfalls ein Bistro, in dem man sich verpflegen kann, wenn es die Zeit bis zur Überfahrt zulässt.
Obwohl an der Festlandsküste schon das Wattenmeer beginnt, war entgegen meiner Befürchtung genug Wasser in der Fahrrinne, sodass die Fähre pünktlich und unabhängig der Tide in See stechen könnte. Der Fährbetrieb wird vom W.D.R, der Wyker Dampfschiffs-Reederei betrieben.

Meine Blicke suchten das Wasser ab. War ja schon gut, dass es überhaupt welches gab. Doch wo war die von der steifen Nordseebriese angetriebene raue See, die tosende Brandung, die das Schiff hin und herwarf und die Menschen über die Reling hinunter aufs Wasser hängen ließ? Nichts von alledem traf auf diese und die 2 Jahre spätere Überfahrt zu. Das Wasser war glatt wie ein Spiegel. Kein Seekranker schwankte sich haltesuchend zur Reling oder hielt sich an den Tischen in der Restaurationsebene fest. Fuhr das Schiff wirklich in der Nordsee? Nein, natürlich nicht. Ich musste mich belehren lassen, dass wir uns im Wattenmeer befanden. Dazu noch im Windschatten der Inseln Amrum im Südwesten, Föhr im Westen und Sylt im Nordwesten. Sturm war heute auch nicht, eine leichte Brise strich mild und sanft über das noch 17 Grad warme Wasser.

Die Luft war ein wenig diesig als wir nach ca. 45 Minuten in den kleinen Hafen von Wyk auf Föhr einliefen. Beim Verlassen der Fähre schaute ich noch einmal in den Rückspiegel um mich zu überzeugen, ob das Wasser immer noch da war. Ich glaube, ich muss meine Meinung revidieren, dass es im Watt an der Nordsee kein Wasser gibt, wenn wir kommen.
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Fotogalerie Nordseeinsel Föhr
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Reiff für die Insel

Die Insel hat es sogar als Fernsehserie Reiff für die Insel bis ins Unterhaltungsprogramm des Deutschen Fernsehens gebracht. (Reiff statt Reif ist in diesem Fall korrekt). Wer Föhr und die Fernsehmacher kennt, weiß allerdings, dass die Schauplätze auf der ganzen Insel verstreut liegen. So kann es passieren, dass die Schauspieler, wenn sie das Haus am Meer verlassen, direkt am Hafen stehen; dabei liegen in Wirklichkeit einige Kilometer zwischen beiden Drehorten. Was wäre das Fernsehen ohne Illusion. Keine Illusion ist allerdings die Schöheit der Insel Föhr. Es darf jedoch spekuliert werden, ob sich alle Drehorte tatsächlich auf der Insel befinden. Jedenfalls steht das kleine Haus am Meer im Film am Strand zwischen Wyk und Goting am Ende des Promenadenweges. Man folgt dann ein kurzes Stück dem geteerten Deich und erreicht anschließend den FKK Strand. Der Flugplatz liegt hinter der benachbarten Ferienanlage. Es sieht alles recht unspektakulär aus, nur den schönen weitläufigen Strand, den gibt es hier wirklich.

Wyk

Mit dem Verlassen der Fähre in Wyk gehen die Uhren schlagartig langsamer. Das merkt man schon auf den ersten Metern, wenn man aus dem Hafenbereich in das Städtchen einfährt. Klar, der Verkehr in dem kleinen Ort ist immer dicht, die wenigen Ampeln sind immer Rot -für die Autofahrer-, die Straßenränder sind vollgestellt mit parkenden Autos aus ganz Deutschland. Und wenn die Straße dann doch mal frei sein sollte, halten einen die Radfahrer auf. Auf 70 Km/h außerorts ist die Höchstgeschwindigkeit auf allen Straßen begrenzt. Tatsächlich will auch gar keiner schneller fahren; -außer vielleicht mal ein Einheimischer, weil er frischen Fisch zu seinen Feriengästen bringen will-. So lernt man schon bei der Ankunft das Lebensmotto der Insulaner und Urlauber kennen: Entschleunigung. Man ist froh, wenn der Vermieter seiner Ferienwohnung einen Parkplatz zur Verfügung stellt, damit man sich ebenfalls per Fahrrad oder per Pedes in Wyk bewegen kann.

Wyk ist der größte Ort von den insgesamt 12 Ortschaften auf der fast kreisrunden Insel.
In der Nebensaison ist die Insel nicht ganz in der Hand von Touristen, trotzdem gibt es sie noch reichlich. Die vielen Straßencafés in Wyk auf der Strandpromenade sind sehr gut besucht, und am Abend muss man in den meisten Restaurants reservieren, um ein Abendessen zu bekommen. Auf den vielen Bänken, die auf der Strandpromenade stehen, kann man seinen Blick über das Watt (hier ist es immer mit Wasser gefüllt) schweifen lassen, bis hinüber zur Hallig Langeneß, die ihre Warften aus dem Watt heraus wachsen lassen. Zu bestimmten Zeiten kann man sich auch noch mit peppiger Live-Musik aus dem Kurkonzert-Pavillon unterhalten lassen.
In der Fußgängerzone locken nicht nur die einschlägigen Touristengeschäfte, sondern auch kleine Lädchen zum Stöbern. Man sollte auch mal abbiegen in die kleinen schmalen Gassen mit den hübschen Friesenhäusern. Es gibt hier viel zu entdecken, wie z.B. die denkmalgeschützten Kapitänshäuser oder den Glockenturm ohne Kirche.

Im Hafengebiet kann man sonntags über den Fischmarkt bummeln - wobei es allerdings mehr Trödel als Fisch zu kaufen gibt. Wer noch mehr Ruhe, und das auch noch im Blumenmeer mit Gartenteich sucht, der sollte sich mal in in den Park an der Mühle begeben. Denn Abseits der Touristenströme findet man an der Mühlenstraße Ecke Feldstraße einen hübschen Garten neben einer alten Mühle mit vielen Bänken. Im Frühjahr, wenn es denn da ist, ist ein Storchenpaar hoch oben in einem Storchennest zu beobachten.
Passend dazu, nicht nur für kleinere Kinder eine Attraktion, liegt ein Block weiter an der Ecke Feldstraße Badestraße, der Storchenpark, eine Art Minizoo, in einem kleinen Wäldchen versteckt.
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Nieblum

Nur 5 Km von Wyk entfernt, liegt das wunderschöne Dorf Nieblum Natürlich sind alle Dörfer auf Föhr, jedes für sich, ein Besuch wert und jedes weist besondere schöne Föhrer Eigenheiten auf. Doch Nieblum ist, nicht nur für uns der Inbegriff eines Friesendorfes. Nicht umsonst wird es als Perle der Nordsee bezeichnet. Die vielen schmucken Reetdach Häuser geben dem kleinen Ort den Charme von Wohligkeit und Heimat.

Utersum

Von Wyk aus fährt man nur ca. 12 Km an das westliche Ende der Insel, nach Utersum. Zwischen den verwinkelten Gassen stehen hübsche Reetdachhäuser, die sich hinter dem Deich vor der Nordsee zu ducken scheinen. Die Tourist Information mit einem Parkplatz und einem Fußballfeld, auf dem schon einmal Uwe Seeler gespielt hat, liegen windgeschützt gleich direkt am Deich. Hat man die Krone des Deiches erreicht kann es einem passieren, der der Sturm einen wegbläst. Der Nordfriese würde wahrscheinlich eher steife Briese dazu sagen. Aber es stimmt: Auf der Deichkrone kann man sich unter Umständen kaum auf den Beinen halten, während man ein paar Meter tiefer kaum ein Lüftchen spürt. Wenn es mal nicht stürmt und das Wetter klar ist, bietet sich dem Besucher ein sehenswertes Panorama. Im Norwesten sieht man die Südspitze von Sylt mit dem Hörnumer Leuchtturm. Im Westen leuchten die weißen Strände der Insel Amrum und dazwischen liegt das Wattenmeer, mit oder ohne Wasser.

Es werden Wattwandertouren aller Art angeboten. Man kann auch die 8 Km durch das Watt hinüber nach Amrum laufen. Das sollte man tunlichst bei Ebbe und in jedem Fall mit einem erfahrenen Wattführer machen. Die Touren starten weiter nördlich bei Dunsum und führen trotz Ebbe auch schon mal durch hüfttiefes Wasser. Von Amrum aus werden die Touren genauso angeboten.
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Tagesausflug Nordseeinsel Amrum

Ein Tagesausflug nach Amrum bietet sich an, wenn man auch einmal die Nachbarinsel sehen möchte und das Wetter mitspielt. Die Überfahrt mit der Fähre von Wyk nach Wittdün auf Amrum dauert ca. eine Stunde. Man kann sein Auto, genauso wie sein Fahrrad, mitnehmen.
Hat man nur seine beiden Beine dabei, lohnt sich ebenfalls ein Tagesausflug. In Wittdün könnte man sich entweder ein Fahrrad leihen, für ein paar Euro ein Tagesticket für den Linienbus auf Amrum kaufen oder für ein paar Euro mehr auf die Amrumer Inselrundfahrt umsteigen. Man fährt entweder mit der Bimmelbahn mit Waggons oder mit dem kleinen Doppeldeckerbus. Wir stiegen in den Bus für eine gut einstündige Rundreise auf Amrum, weil die Bimmelbahn für eine Reisegruppe reserviert war.

Entspannt, mit fachkundigen, einheimischen Kommentaren, führte die Fahrt langsam durch Wittdün und ohne weiteren Stopp zu den anderen vier Dörfern Süddorf, Steenodde, Nebel, Norddorf und wieder zurück nach Wittdün. Der Vorteil bei dieser Tour gegenüber dem Linienbus ist der, dass man an die schönsten und wichtigsten Stellen der Insel kommt. Nachteil ist, man kann zwischendurch nicht aussteigen und die tolle Aussicht etwas länger genießen oder mal einen Bummel durch die hübschen Dörfer machen. Der Linienbus hält natürlich öfter auf der gesamten Strecke bis Nebel, aber man müsste dann selbst wissen, wo es was zu sehen gibt und auf den nächsten Bus warten und weiterfahren.

Wittdün machte auf uns einen eher recht sparsamen Eindruck. Hinzu kam, dass wir die Tour an einem Samstag machten. Da schließen alle Geschäfte spätestens um 13 Uhr; auch die einschlägigen Touristen- und Andenkenläden. Nebel und Norddorf sind natürlich auch touristisch gut vorbereitet, doch die Straßen mit den vielen alten Reetdach gedeckten Häusern vermittelten uns ein heimeliges wohliges Gefühl. Hier möchte man noch einmal herkommen, um mehr davon zu sehen. Ob die Geschäfte hier auch schon Samstags um 13 Uhr die Bürgersteige hochklappen, wissen wir nicht.
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Wetter

Das Wetter im September zeigte sich durchwachsen, genauso, wie schon den ganzen Sommer 2015 über. So erfreuten wir uns an manchen Tagen an einem strahlend blauen Himmel mit einem an der Nordsee untypischen lauen Lüftchen. Ohne Jacke, nur mit T-Shirt bekleidet flanierten wir auf der wunderschönen langen Strandpromenade. Sobald die Sonne allerdings mal verschwand, wurde es frisch. An anderen Tagen stemmten wir uns gegen einen heftigen Regensturm, der seine Wassertropfen wie mit Peitschenhieben durch die engen Gassen und die Strandpromenade trieb. Auch genossen wir Windstille bei milder Luft und dicken Wolken im Inselinneren, um uns anschließend oben auf dem Deich von Utersum eine kräftige steife Brise, die uns fast von den Beinen riss, abzuholen. Doch meist war es trocken und nie kälter als die 16-17 Grad wie Wassertemperatur des Wattenmeers.

Das Wetter Mitte Mai 2017 war, abgesehen von einem Regentag, phantastisch. Die Sonne schien fast immer von einem blauen Himmel mit ein paar dekorativen Wölkchen, die Temperatur lag meist bei 18-20 Grad. Das Wasser hatte 14 Grad.
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