Lothars Reiseberichte

Insel Kreta - Griechenland

Anissaras, Kreta

Kreta ist die südlichste griechische Insel im östlichen Mittelmeer. Wer schon einmal Rhodos oder Korfu kennen gelernt hat, wird von seiner Größe überrascht sein. Die Ost-West Luftlinie ist immerhin ca. 260 Km, auf der Straße sind das bestimmt mehr als 400 Km. Die Hauptstraßen sind gut ausgebaut gut ausgeschildert. Auf Hinweistafeln und Wegweisern stehen die Namen in der Regel in griechischen Buchstaben -für Physiker ist das sicher kein Problem- für alle anderen sind die Hinweise aber meist auch in lateinischen Buchstaben geschrieben.

Im Mai 2007 ging es vom Flughafen bei Heraklion auf der Oleander-Straße ca. 20 Km in östliche Richtung am Meer entlang. Die Oleander Straße macht ihrem Namen alle Ehre, denn sie wird von 2-3 m hohen üppig rot und rosa blühenden Oleanderbüschen gesäumt. Ungefähr 3 Km vor der lebhaften Touristenhochburg Chersonissos führt eine Art befestigter Wirtschaftsweg nach Anissaras, einer zersiedelten Häuseransammlung, bis hinunter an den Strand. Dort reiht sich eine All Inclusiv Anlage an die andere, und eine davon ist unser Ziel, das Kosta Mare Palace.
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Hotel Kosta Mare Palace

Das 4* Hotel Kosta Mare Palace liegt, nur von einer schmalen Uferstraße getrennt, direkt am Meer. Kommt man von der Hauptstraße auf den Hoteleingang zugefahren, hält man es nicht für möglich, dass sich hinter den sterilen Betonmauern ein wunderschön blühender mediterraner Garten verbirgt, in dem die Zimmer in kleinen 2-3 Etagen umfassenden Wohneinheiten gruppiert sind. Der eine der beiden Pools liegt neben der großen Poolbar, der andere vor 2 Wohneinheiten, beide direkt an der schmalen Uferstraße.

Das gesamte Personal, vielleicht mit Ausnahme der Putzfrauen, sprechen und verstehen Deutsch. Ihr Wortschatz umfasst zwar i.d.R. nur das, was man für den beruflichen Umgang mit deutschen Gästen benötigt - trotzdem Hochachtung für die gute Schulung. Und alle, wirklich alle, auch die Putzfrauen, versehen sehr freundlich und äußerst hilfsbereit ihren Dienst. Auch, wenn die typisch Deutschen Urlauber sich mal wieder über den Fliegenschiß am Strand beschweren und herummaulen, warum es kein Eisbein mit Sauerkraut gibt. In solchen Fällen wird der Oberkellner allerdings griesgrämig.
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Die Zimmer

Wer die Zimmernummer 415 verpasst bekommen sollte, den erwartet ein Zimmer in der ersten Etage direkt am Parkplatz. Vor der Zimmertür kann man etwas verspannt auf der ca. einem halben Quadratmeter großen Veranda sitzend die Ankunft der neuen Gäste beobachten und die Kühlergrills der geparkten Mietwagen studieren. Man befindet sich schließlich auf Augenhöhe und nur eine Handbreit von ihnen entfernt. Sollte mal kein Bus mit laufendem Motor hier stehen, kann man sich am Geräusch zweier Radiatoren ergötzen, die direkt unter dem Aufgang ihren Dienst tun. Das Meer ist von hier nicht zu sehen, weil das Zuckerrohr vor dem Zaun des Nachbargrundstücks mit seinem satten grün nervenberuhigend die Sicht einschränkt.
Die Rezeption versucht's halt immer mal wieder, doch wenn man freundlich nach einem anderen Zimmer fragt, bekommt man es auch, wenn eins frei sein sollte.
Unseres lag dann in der ersten Etage am Animationspool mit seitlichem Meerblick und Aussicht auf die Uferstraße am Strand. Schließt man die Balkontür fällt sie schmatzend ins Dichtungsgummi und man ist vor dem Poollärm geschützt. Die Standardzimmer sind nicht sehr groß, aber für 2 Personen völlig ausreichend. Man hält sich doch nur zum Schlafen hier auf -und vielleicht bei Regen. Reiseführer vermerken 4 Regentage im Mai. Das können wir genau bestätigen. Bei Regen hängt man herum, weil das Hotel für Sonnentage konzipiert ist; luftige Segeldächer, lichtdurchflutete Pergolen. Wenn sich dann 250 Leute in der kleinen Bar über der Rezeption aufhalten müssen, ist das schlimmer als in der New Yorker Metro zur rush hour.

Es gibt verschiedene Zimmerkategorien, von Suiten über Standard-, Superior- und Familienzimmer mit und ohne Meerblick. Meerblick kann aber auch bedeuten, mit dem Stuhl aus dem Badezimmerfenster. Unser Zimmer war normal ausgestattet, mit Telefon, SAT-TV, Kühlschrank und mit einer Klimaanlage, die nach dem Einschalten uns mit einem ein Lüftchen belohnte, das der Zimmertemperatur von 26 Grad entsprach. Doch wir ließen sie nicht lange laufen weil wir befürchten mussten, dass uns die Radiatoren um die Ohren fliegen, solch einen Lärm verbreitete sie. Weil die Griechen erst bei 32 Grad Wärme die dicken Jacken gegen die leichten tauschen, stößt man auf Unverständnis, wenn man es kühler haben möchte. Die Zimmer wurden gut gereinigt, Wäsche- und Handtuchwechsel war regelmäßig.
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Die Rezeption

Wir können nur Positives über den Service der Rezeption sagen. Unüblicherweise für den Mittelmeerraum wurde kein Auftrag vergessen und man wurde prompt und freundlich bedient. Doch auch hier gilt das Sprichwort: Wie man in den Wald hinein ruft, klingt es heraus.
Wer auch im Urlaub nicht ohne Internet auskommt, darf oberhalb der Lobby neben der Bar gegen Gebühr mailen und surfen.

Restaurants und Essen

Das Essen war das Beste was wir je im Mittelmeerraum hatten. Es gab eigentlich nichts, was es nicht gab -aber halt Mediterane Küche und nicht Gut Bürgerlich, dennoch auf den Deutschen Normalgaumen zugeschnitten. Das Frühstücksbuffet gab es kalt und warm, genauso wie das Mittagsbüffet - hauptsächlich leichte Kost, kalt und warm, wurde an der Poolbar bereitgestellt und das Abendbuffet mit sehr viel Auswahl kalt und warm. Bier und Wein bis zum Abwinken. An Themenabenden gab es dann schon mal hauptsächlich Fisch aller Facetten, aber gleichzeitig auch viel Auswahl für die Fischverweigerer. Pommes Frites und Nudeln wurden zwar jeden Tag serviert, und das nahmen dann tatsächlich Leute zum Anlass, das Essen als Eintönig zu bezeichnen. Vielleicht haben sie nur die anderen 20 wechselnden Schüsseln übersehen.
Die Tische waren immer sauber oder wurden nach dem Verlassen schnell neu eingedeckt. Das Personal war sehr aufmerksam und wusste nach 3 Tagen welchen Wein man bevorzugt. Wie das natürlich in der Hauptsaison aussieht - keine Ahnung.
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Pool und Strand

Um beide Pools herum stehen ausreichend viele Liegen und Sonnenschirme. Sehr angenehm ist, dass der so genannte Ruhepool räumlich getrennt zum Animationspool liegt. Die wenigen Jugendlichen tobten sich im Animationspool aus. Ob diese Herrlichkeit in der Hochsaison auch so ist, wage ich stark zu bezweifeln. Besonders schön empfanden wir auch die Lage des Pools direkt neben dem Strand. So konnte der Blick immer über das scheinbar endlose blaue Meer schweifen bis hinüber zur Insel Dia vor Heraklion. Der Kiesstrand ist hier nicht unüblich und vergleichsweise super im Gegensatz zu den Stränden anderer an diesem Küsteabschnitt liegenden Hotelanlagen. Nur die Felsplatten verhindern den kompletten Badespaß. Die Küste ist nun mal so, und wer Strandbereiche ohne Felsplatten sucht, findet auch welche. Trotzdem, Badeschuhe sind sehr zu empfehlen. Liegen und Sonnenschirme sind reichlich vorhanden und kostenlos. Auf anderen, bewirtschafteten Stränden, musste man im Mai 7-9 Euro für 2 Liegen und einen Schirm bezahlen.

Weil Anissaras in der Einflugschneise des Heraklioner Flughafens liegt, muss man tagsüber mit den ankommenden Fliegern leben. Sie kommen stoßweise alle paar Stunden. Doch der Flughafen ist so klein, dass es nicht allzu viele Maschinen sind. Die geringe Lärmbelastung nahmen wir nach einer Woche schon nicht mehr wahr.
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Infrastruktur

Auf der Uferstraße lässt es sich sehr schön laufen. Teilweise ist sie befahrbar und Griechen wie Urlauber knattern schon mal mit den Quads an einem vorbei. Östlich der Anlage befindet sich eine Strandbar, zwei Supermärkte und zwei Autoverleiher. Hat man diese Geschäfte passiert, braucht man sich vor aufdringlichen Restaurantbesitzern, die einen ins Lokal ziehen wollen oder anderen Geschäften nicht in Acht zu nehmen; es gibt keine. Irgendwann kommt man an einem einsamen recht netten Souvenirladen mit sehr freundlichen Griechen, -Entschuldigung:Kretern und Korfioten- vorbei. Nach ca. 2 Km versperren Ferienanlagen den weiteren direkten Weg am Strand. Da liegt dann das 5* Hotel Royal Mare Village. Eine ausgedehnte, wirklich sehr schöne Anlage. Aber das Essen ... na ja, was man halt so hört.
Nach Westen kommt man an dem riesigen Areal eines Robinsonclubs vorbei, wo sich All Inclusiv wohl nur auf die Übernachtung und Wasser und Brot beziehen soll. Weiter dahinter kommt man ins Feriengebiet von Analpisi. Hier gibt es viele Restaurants und die üblichen Supermärkte.
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West Kreta

Urlauber in der Gegend um Chania haben es nicht weit in die Bergwelt West Kretas einzutauchen, Urlauber wie wir müssen erst mal gut 3 Stunden nach Chania in Kauf nehmen.

Kloster Moni Arkadi

Von Chersonissos aus führt der Weg auf der gut ausgebauten Küstenstraße westwärts, an Heraklion vorbei, durch bergige Küstenlandschaft Richtung Rethymnon. Ca. 25 Km davor biegt man ab, um auf schmalen Straßen in die Bergwelt hinein zum Kloster Moni Arkadi zu gelangen. Das Kloster ist eine Art Nationalheiligtum, weil sich dort zur Zeit der Besetzung Kretas durch die Türken im Jahr 1866 eine menschliche Tragödie abgespielt hat. Um sich der Übermacht der Türken nicht zu beugen, nahmen sich über 800 kretische Männer, Frauen und Kinder in diesem Kloster das Leben und rissen mehr als 1500 Türkische Angreifer mit in den Tod, als sie nach langer Belagerung und der nachfolgenden Erstürmung selbst das Pulverlager in Brand schossen.

Nach dieser ergreifenden Geschichte durch die Reiseführerin kam bei Erreichen des Klosters die Ernüchterung: Auf dem großen Klostervorplatz rangierten zig Ausflugsbusse im Staub, Touristen drängelten sich dazwischen herum. Vor der einzigen Toilette in einem Toilettenhäuschen mitten auf dem Parkplatz stand eine lange Menschenschlange. Nachdem wir uns bis zum ersten Tor vorgekämpft hatten und ich ein Foto vom Eingangsportal machen wollte, wurde ich unwirsch vom Aufseher zurückgepfiffen, ich solle doch erst die 2 Euro Eintritt bezahlen. Wir wollten aber gar nicht ins Kloster hinein. Zu guter Letzt kam dann noch die übliche von einem Trecker gezogene Bimmelbahn mit 5 Wagen auf den Parkplatz geschnauft und spuckte seine Touristen in das Gedränge. Wir waren froh, als es endlich wieder weiterging.
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Chania

Der Reiseführer erzählte uns, dass Chania der schönste Ort Kretas sei. Nun, der venezianische Einfluß der Stadt, besonders in der Hafengegend läßt sich nicht verhehlen und bietet sogar Filmindustrie eine schöne Kulisse. Die engen Gassen der Altstadt sind sehenswert und man wähnt sich tatsächlich in Italien. Schmale Gassen und Gässchen in denen kleine Cafes auch noch Stühle und Tische platziert haben so wie überall die verschwenderisch roten oder violetten blühenden Boungavilla. Das hat schon alles ein betörendes Flair. Rund um den Hafen reihen sich unter Sonnenschirmen ein Restaurant an das andere. Man kann hier schön sitzen, die Häuser und um den Hafen genauso wie die vorbeiziehenden Touristen beobachten. Es ist es wert, auch wenn die Preise recht hoch sind. Irgendwo am Ende der Altstadt steht die alte Markthalle, die sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Doch auch hier sind die Preise höher als anderswo. Doch wer die verschiedenen Düfte der Marktstände mag, hier ist er richtig.
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Rethymnon

Nach reichlich Zeit in Chania setzte uns der Bus nach einer Stunde Fahrt im Fährhafen von Rethymnon ab. Ich amüsiere mich auch immer, wenn eine Reiseführerin mit einem markanten Schirm in der Hand vorweg und ein Trupp Touristen wie kleine Hündchen ihr folgen. Diesmal waren wir die Hündchen, über die sich die Leute amüsierten, als wir uns im Gänsemarsch zwischen Tischen und Stühlen der Restaurants hindurchzwängen mussten, die an der schmalen Hafenkante stehen. An jeden Restaurant hielt uns ein Ober die Karte vor die Nase um uns zum Verweilen anzulocken. In der Altstadt angekommen, absolvierten wir ein Überlebenstraining in Form von ständigem Beiseitespringen, weil Mopeds, Motorroller und Kleinwagen in den schmalen Gassen Jagd auf uns machten. Nein, also, sie hatten es nicht wirklich auf uns persönlich abgesehen, der Verkehr ist in der Fußgängerzone normal.

Mit Rethymnon schien man Chania kopieren zu wollen, ist aber nicht gelungen. Fluchtartig verließen wir die Altstadt Richtung Meer, um noch ein wenig auf der Uferpromenade spazieren zu gehen. Leider gibt es keine; auch keine Bänke, auf denen man vor den rasenden Motorrollern einigermaßen sicher ist. Erst begnügten wir uns auf einer baufälligen Bank auf einem Spielplatz, später auf Steinen der Mole im Fährhafen, wo wir auf die Abfahrt des Busses warteten.
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Knossos

Knossos ist ein Muss. Sagen zumindest alle Reiseführer und Griechenlandexperten. Wer da unbedingt hin will, der soll. Wer nicht, dem entgeht ein Stück Weltkulturerbe hinter einem mit Bussen und Menschen überfüllten Parkplatz und dem dichten Gedränge Busladungen voller Touristen. Auch auf die Gefahr hin uns jetzt als Kulturbanausen zu outen: Wir waren nicht dort.
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Weitere Ziele

Die Samaria Schlucht soll sehr schön sein. Sie war während unseres Aufenthaltes gesperrt, wegen der schon erwähnten starken Regenfälle. Von Chersonissos ist die Schlucht nur langwierig im Süd-West Teil Kretas zu erreichen. Das Durchwandern der ca. 16 Km langen Schlucht bedarf allerdings einer gewissen Fitness.

Heraklion selbst soll auch lohnenswert sein, erreicht man mit dem Bus. Die Haltestelle liegt ca. 15 Gehminuten vom Hotel aus bergauf.

Agios Nikolaes soll sehr schön sein, wir bedauern es heute, nicht dort gewesen zu sein.

Zum all abendlichen Ritual nach dem Abendessen gehört der Sonnenuntergang. Hand in Hand schlendert man gemütlich die Promenade Richtung Robinson Club, sucht sich eine der vielen Bänke, um das immer wieder faszinierende Naturschauspiel zu beobachten. Ist es vollbracht, führt der Weg zur Poolbar, um bei einem Cocktail oder einem Glas griechischen Wein den Tag genussvoll ausklingen zu lassen.

Leihwagen

Vertraut man der Reiseleitung, sind auf Kreta nur Strauchdiebe als Leihwagenvermieter tätig. Man zahle zwar für die Anmietung bei der Reiseleitung für das gleiche Auto fast doppelt so viel, wie beim lokalen Anbieter. Solange alles klappt, seien alle freundlich und hilfsbereit. Nach einem Unfall sollen die einen oder anderen lokalen Vermieter plötzlich kein Deutsch oder Englisch mehr verstehen - ob es wirklich so ist oder ob diese Aussagen nur Teil des Geschäftes sind, ich weiß es nicht zu beurteilen. Was ich weiß ist, dass die kretischen Autofahrer einen Waffenschein für ihr Auto besitzen aber keinen Führerschein und selten eine Versicherung.

Das Wetter

Nach unserem Reiseführer gibt es auf Kreta 4 Regentage im Mai. Das können wir genau bestätigen. Es regnete nicht an 4 Tagen hintereinander, manchmal auch nur vormittags oder nachmittags. Oft drohten die Wolken über den Bergen, doch meist schafften sie es nicht bis zur Küste; sie wurden vom manchmal ganz schön kräftigen Seewind in Schach gehalten. Tagsüber stiegen die Temperaturen bei Sonnenwetter auf sehr angenehme 24-28 Grad, nachts pendelten sie um 20 Grad. Das Meer hatte ca. 22 Grad. Alles in allem sehr angenehmes Wetter, alle mal besser als wenig später, Mitte Juni, als eine Hitzewelle die Temperaturen auf über 40° Celsius trieb.
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