Lothars Reiseberichte

Rundreise Neuseeland 2010

Südinsel

[5. März] Christchurch sonnig Regen 20 °C

Dass wir keine 2 Jahre nach unserem ersten Besuch schon wieder auf dem Flughafen in Christchurch landen, das hätten wir uns damals nicht träumen lassen. Von Auckland kommend verlassen wir das Domestic Terminal ohne weitere Kontrollen und sind schon 20 Minuten später, so gegen 11:00 Uhr, in der City von Christchurch. Die Freude, die Stadt und die Straßen wiederzuerkennen, der Sonnenschein und die vielen bunten Blumen und grünen Bäume nach dem harten Winter in Deutschland hilft die Müdigkeit nach der 36 stündigen Reise zu verdrängen.
Wir checken wieder im IBIS Hotel nahe des Cathedral Square ein und bekommen trotz der frühen Stunde unser Zimmer ohne jeglichen Aufpreis. Wir fühlen uns gleich wie "Zu Hause"; denn das IBIS hat immer noch den gleichen Standard wie in Hamburg oder München: Das relativ kceine Zimmer ist hell durch große Fenster, sauber, modern eingerichtet, 2 große Queenbetten, TV-Flachbildschirm, Klimaanlage. Das Gefühl angekommen zu sein sorgt dafür, dass sich schnell wieder die Müdigkeit einstellt. Wir legen uns in die bequemen Betten und schlafen sofort tief und fest. Das Wachwerden nach knapp 2 Stunden am frühen Nachmittag fällt uns schwer, doch wir wollen noch während der Geschäftszeiten durch Christchurch laufen. Schock beim Aufstehen, denn der Himmel hat sich zugezogen und es regnet. Na, das ist ja keine schöne Begrüßung. Vom Hotel rufe ich noch bei KEA an, um den Abholtermin für morgen früh zu klären.
Wir wollen uns eine SIM-Card kaufen, um in Neuseeland telefonieren zu können, doch gleich im ersten Vodafone Laden haben sie keine und verweisen uns auf einen Kiosk nebenan. Nach nach dem Telefonier-Fiasko vor zwei Jahren mit Vodafone verzichten wir erst einmal auf weitere Aktivitäten. Wir wollen doch nur eine SIM-Card, mehr nicht. In Neuseeland hat Vodafone das Telefon-Monopol.
Die Müdigkeit stellt sich wieder ein. Das Laufen durch die Straßen wird immer beschwerlicher, wenigstens lässt der Regen nach. Das Café an der Kathedrale wird gerade geschlossen, als wir hinein wollen. Es ist Punkt 17 Uhr. Gegenüber ist ein Starbucks Coffee Shop, doch der Kaffee hilft auch nicht mehr viel. Gisela schleppt sich ins Hotel gleich um die Ecke, ich laufe noch zum Victoria Park. Die Fotos in der Kamera beweisen mir heute, dass ich dort war, ich kann mich nur noch schemenhaft daran erinnern.

Christchurch nach den Erbeben Dass die Menschen unsere Erde nur leihweise für ihr Leben zur Verfügungs gestellt bekommen, das kann man sich in Christchurch ansehen. Die beiden Erdbeben in 2010 und 2011 haben das Zentrum dieser liebenswerten Stadt zerstört. Schaut man sich die Bilder und Videos dieser Stadt an, beschleicht einen das Gefühl der Hilflosigkeit. Klar, es gibt Städte und Länder, die von Erdbeben viel schlimmer getroffen wurden. Doch es ist weit weg, wenn man die Bilder der Örtlichkeiten nur aus dem Fernsehen kennt. Doch wir sind noch durch die Straßen geschlendert al noch alles stand. Wir standen vor der Kathedrale und haben den Bau bestaunt. Häuser die wir bewußt wahrgenommen haben, sind zusammengebrochen und nur noch Schuttberge.
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[6. März] Christchurchsonnig 21 °C

Wir haben die Nacht durchgeschlafen wie Bären im Winterschlaf und wachen gegen 6 Uhr auf. Immerhin ist es in Deutschland jetzt 18:00 Uhr und Abendbrotzeit. Um sieben gehören wir zu den ersten beim Frühstück mit Toast, Eiern, Würstchen, Pilzen, warme Tomate. Schinken, Käse, Marmelade gibt es aber auch. Das Englische Frühstück ist genau die richtige Stärkung für heute. Wir hätten das Taxi zu neun Uhr bestellen sollen und nicht erst zu zehn Uhr. So haben wir noch etwas Zeit am frühen Sonntagmorgen durch die ruhige Innenstadt zu pilgern. Immer wieder zieht uns dabei die hübsche New Regent Street an mit den im spanischen Stil gebauten kleinen Häuserreihen und den kleinen Geschäften. Die haben aber um diese Zeit noch geschlossen.
Mit zehnminütiger Verspätung taucht endlich das Taxi auf, das uns zu KEA bringen soll. Diesmal ist der Taxifahrer schweigsam, der vor 2 Jahren hatte uns gleich erst einmal einige Besonderheiten der neuseeländischen Verkehrsregeln erklärt. Doch diesmal wissen wir schon, dass der rechts abbiegende Gegenverkehr Vorfahrt hat, wenn man selbst in die gleiche Straße nach links abbiegen will. Als Mitteleuropäer braucht man sich das gar nicht erst vorzustellen, das beherrscht man sowieso erst, wenn man den Neuseeländern ein paar Mal die Vorfahrt genommen hat.
In der KEA Station werden wir mit akzentfreiem Deutsch bedient, und lassen uns die wenigen Neuerungen am Wohnmobil erklären. Diesmal gibt es sogar ein Navigationsgerät. Weil ich Deutschland zu den Autofahrern gehöre die mit konservativer Straßenkarte auskommen, lege ich das Teil ausgeschaltet erst mal ins Handschuhfach.

Es ist Samstagmittag und kein reines Vergnügen im New World Supermarkt den Ersteinkauf fürs Überleben zu tätigen, denn alle Einwohner Christchurchs kaufen heute ein. Auch muss ich mich erst wieder daran gewöhnen auf der linken Straßenseite mit fast 7m im Rücken und 2,20m Breite durch den Verkehr zu kommen. Die Parkplätze sind Proppen voll, sodass ich beim Einparken ins Schwitzen komme. Bei KEA gab man uns den Tipp, hier eine SIM Karte für 2 Dollar des Providers 2Degree zu kaufen. Mit der könne man problemlos die kostenlosen 0800er Nummern in Neuseeland anrufen. Das klappt nämlich nicht mit der deutschen SIM Karte, egal von welchem Provider.
Nachdem der Ersteinkauf gut verstaut ist suchen wir uns den Weg zur Pazifikküste. Wir wollen heute in Christchurch bleiben. Weil die Straßenbeschilderung mich mal wieder in die Irre führt, entschließe ich mich dann doch das Navi in Betrieb zu nehmen und den Stolz auf meinen Orientierungssinn hinten anzustellen. Schließlich ist es in Deutschland jetzt 2 Uhr Nachts.

Am Strand ist es trotz blauem Himmel und Sonnenschein recht ungemütlich, denn es weht eine sehr starke Briese vom Meer, die einem die Tränen in die Augen treibt. So freuen wir uns über den Ausblick aus dem Wohnmobil bei einer frisch gebrühten Tasse wundervollen löslichen Kaffee. Wenn wir öfter mit Neuseeland Air fliegen müssten, würden wir glatt zu Teetrinkern werden. Ja, so haben wir uns unsere Reise diesmal vorgestellt. Ohne Stress und Zeitdruck sich die schönsten Stellen aussuchen, und Neuseeland genießen. Das Navi leitet mich anschließend zum den TOP 10 Holiday Park in Christchurch, wobei es uns bekannte Wege meidet. Ich traue mich noch nicht durchzusetzen und lasse ihm heute noch seinen Willen. So lernen wir unbekannte Gegenden in Christchurch kennen und kommen tatsächlich auch an.

Vom Holiday Park könnte man mit dem Bus in einer halben Stunde in die City fahren. Doch weil uns der Jetlag am späten Nachmittag wieder einholt, fehlt einfach der Antrieb dazu. Wir stellen lieber die Stühle in die warme Nachmittagssonne und genießen einen wundervollen Spätsommertag.
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[7. März] Christchurch - Akaroa sonnig 21 °C

Um drei Uhr ist die Nacht vorbei, um sechs Uhr gibt es Frühstück. Es ist Sonntag und wir kaufen noch die restlichen Dinge bei Pak'n Save ein. Pak'n Save ist deutlich billiger als New World, die Lebensmittelkette entspricht dem Aldi Deutschlands. Dann zuckeln wir am frühen Morgen vorbei an der Christchurch Gondola, dort oben waren wir vor 2 Jahren schon, durch den Tunnel nach Lyttelton. Der Ort selbst ist nicht sehr attraktiv. Die Aussicht auf Lyttelton und die Umgebung an der Governors Bay, versprechen mehr. Ca. 20 Km vor Akaroa erreichen wir den Gipfel des Passes und biegen diesmal sofort ab auf den Parkplatz des kleinen Hotels an der Straße. Wenn man den Platz nicht kennt, fährt man schnell daran vorbei; wenden ist dann unmöglich. Es lohnt sich hier zu halten. Von hier oben sieht man hinunter auf das märchenhaft schöne Panorama der Banks Peninsula. Weil es in den letzten Wochen kaum geregnet hat, ist das saftige Grün der Wiesen allerdings einem vertrockneten Braun gewichen. Trotzdem begeistert uns die Aussicht, genauso wie beim ersten Mal. Tiefblauer Himmel, kleine weiße Wölkchen über in allen Grün und Brauntönen schimmernde Wiesen, Felder, Berge und dazwischen das tiefe Blau der Bay von Akaroa.

Das malerische Akaroa durchqueren wir erst einmal, zum einen um nach möglichen Parkplätzen für das Womo Ausschau zu halten, zum anderen, weil wir neugierig darauf sind, wohin die Straße hinter dem Ortsausgang führt. Sie wird immer schmaler und windet sich zwischen Berg und Bay herum.

Und tatsächlich enden wir auf einem kleinen einsamen Schotterplatz direkt an der Bay, an deren Ende auf einem Hügel eine kleine Maori Kapelle steht. Gegenüber scheint eine Art Maorischule zu sein. Keine Menschenseele weit und breit. Mit dem Ausblick auf die Bay ist hier genau der richtige Platz für die Mittagspause. Bei Sonnenschein auf einer Holzplanke sitzen und kleine Delfine beobachten, wie sie in der blauen Bucht herumspielend an uns vorbeiziehen, ja, hier gehen Träume in Erfüllung; das macht Neuseeland aus; das ist Wellness für die Seele.

Nach einiger Zeit kommen wir dann doch zu der Erkenntnis, dass wir hier nicht ewig sitzen bleiben können.
Auf der Rückfahrt stellen wir das Womo irgendwo in Akaroa ab und spazieren kreuz und quer durch den Ort. Viele Cafés und Restaurants laden zum Hinsetzen direkt an der Promenade mit Blick auf die Bay ein. Der französische Einfluss ist hier immer noch zu spüren. Leider haben sich die Franzosen von den Engländern später von diesem hübschen Ort vertreiben lassen.

Mitten in diesem Traum von Landschaft liegt der Akaroa Top 10 Holiday Park oberhalb des Ortes. Die Ausstattung des Platzes nicht gerade die Beste und könnte mal renoviert werden, doch die Lage ist einfach nur schön. Weil wir einen ungünstigen Standplatz zugewiesen bekommen haben, tragen wir unsere Stühle an einen besseren Platz, um den grandiosen Ausblick auf Akaroa und die tiefblaue Bay und die umgebenen Berge zu genießen, bis es dunkel wird. Gut, ich hab mir dann den Pullover geholt, derweil mich der kühle Südwind frösteln ließ, und musste mir Giselas Gespött anhören. Abends stellen wir fest, dass wir schon Farbe bekommen haben, obwohl wir vorhin unter Bäumen uns vor der Sonne geschützt hatten.
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[8. März] Akaroa - Greymouth sonnig bedeckt 22 °C

Obwohl die Strecke nach Greymouth über den 750m hoch gelegenen Arthurs-Pass klar und einfach der Straßenkarte nach zu finden ist, fahre ich nach der Empfehlung des Navigationsgerätes. Und dieses Navi führt mich kreuz und quer auf irgendwelchen Straßen durch Canterbury, dass ich schon fürchte, bei irgendeinem Bauern in seinem Schafstall zu landen. Irgendwann weiß ich überhaupt nicht mehr wo ich bin und entscheide mich wieder nach Karte zu fahren, wenn ich eine ordentliche Ausschilderung finde. Irgendwie muss ich diesem Besserwisser noch beibringen, was ich will. Zumindest stimmt die Richtung, denn die Alpen kommen immer näher. Eigentlich wollte ich noch tanken bevor wir in die Berge kommen. Doch auf den Nebenstrecken gibt es keine Tankstellen. Und als wir endlich wieder auf dem Highway sind hat die einzige Tankstelle auch noch wegen Umbau geschlossen. Hoffentlich reicht das Benzin ....

Die Sonne scheint in der Ebene aus einem tief bauen Himmel. Als sich die Straße steil in die Berge hineinwindet, befürchten wir schon wieder eine 200 Km kurvenreiche Berg und Talfahrt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nachdem wir die ersten Hürden genommen haben, finden wir uns in einer sanften, durch braune Wiesen ohne Bäume gekennzeichneten Hügellandschaft wieder. Auf den ca. 2000 m hohen Berggipfeln liegt sogar noch Schnee, doch in den riesig breiten Flussbetten winden sich nur schmale Rinnsale durch das Geröll. Oben auf dem Arthurs Pass angekommen, legen wir am trist wirkenden Bahnhof des Tranz Alpine Express eine Mittagspause ein, bevor wir zur Küste Richtung Greymouth wieder ans Meer fahren. Den Zug sehen wir leider nicht. Die Strecke hinunter an die Tasmanische See ist das Gegenteil von der anderen Seite. Sehr steile, kurvenreiche Abfahrten, urwaldähnliche Regenwälder und je weiter wir hinunter kommen saftige grüne Wiesen. Der Himmel wird immer grauer. In Greymouth ist von der Sonne nichts mehr zu sehen. Alles grey. Der Top 10 Holiday Park kurz vor Greymouth stellt sich auch nicht viel besser dar. Er liegt direkt am Meer, für Sonnenuntergänge scheinbar die ideale Lage. Die Sonne geht hier auch jeden Tag unter, aber wolkenfreien Himmel gibt es hier wahrscheinlich nur, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Der Strand besteht übrigens bis zum Horizont aus großen grauen runden Kieselsteinen, da kann man einen romantischen Spaziergang bei Sonnenuntergang getrost vergessen. Alles grey eben. Um draußen zu sitzen ist der Standplatz des Wohnmobils recht ungemütlich, auch, weil immerzu Trecker irgendwelche Wohnwagen rangieren. Dann fängt es auch noch an zu regnen, das drückt die Stimmung auf den Tiefpunkt, alles grey eben. Sollten wir noch mal in diese Gegend kommen werden wir Gas geben.
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[9. März] Greymouth - Westport bedeckt wolkig 24 °C

Der Jetlag scheint sich langsam zu legen, wir schlafen schon bis halb sieben durch. Doch der Tag beginnt heute so grey eben wie er gestern aufgehört hat, wenigstens regnet es nicht. Wir machen, dass wir weiterkommen. Trotz der starken Bewölkung herrscht gute Fernsicht und wir sehen deshalb mehr als beim letzten Mal: Wilde und schier unbezähmbare Natur, lang geschwungene Buchten mit dicken Felsfragmenten gespickt, an denen sich schwere See bricht. Oft führt die Straße direkt am Meer entlang, begrenzt auf der anderen Seite von riesigen Farnen und Bergen mit dicht bewachsenem Regenwald. Diese Straße hat etwas von der Great Ocean Road in Australien.

Auf dem State Highway Nr. 6 erreichen wir kurz vor Punakaiki die Pancake Rocks. Wir operieren unser Gefährt in eine Parklücke des PKW-Parkplatzes. Der Himmel ist immer noch wolkenverhangen, aber es regnet nicht. So machen wir uns auf den Weg zu den Felsen und können diesmal ganz gute Fotos knipsen. Die Chinesen waren leider etwas schneller. Ich habe nichts gegen Chinesen. Doch dort wo sie auftauchen, kommt man nicht an die guten Aussichten heran, denn sie vollziehen vor diesen wahre Fotografierorgien. Die Sehenswürdigkeit an sich interessiert sie überhaupt nicht, wichtig für sie ist nur, dass sie davor einzeln, zu zweit und in Gruppen in jede einzelne Digitalkamera hineinkommen.
Wir überholen sie und finden dann die Ruhe uns ausgiebig umzusehen und die verschiedenen Gesteinsschichten, die tatsächlich wie aufgeschichtete Pfannkuchen aussehen, zu bewundern. Auch diesmal ist Ebbe, und so fehlt dem Meer die Wildheit, um die berühmten Wasserfontänen aus den Blowholes zu schießen.

Auf der wunderschönen Great Ocean Road Neuseelands biegen wir ein paar Kilometer vor Westport ab Richtung Seelöwenkolonie (Seal Colony) bei Cape Foulwind. Mittlerweile scheint die Sonne vom blauen Himmel. Am Ende der Straße gibt es einen Parkplatz, sogar mit Stellflächen für Wohnmobile. Von hier führt ein guter Wanderweg leicht ansteigend den Berg hinauf. Die Aussichtspunkte haben wir schnell erreicht. Von hier aus kann man die Seelöwen in einiger

Entfernung beobachten. Einige Seelöwenkinder toben in einer Art Badewanne herum, die das Meer in die Felsen gewaschen hat, ein paar ältere liegen faul in der Sonne oder spielen mit den Kleinen. Wir können uns kaum losreißen, doch die Sonne brennt hier oben unerbittlich. Ich steige noch den sehr steilen Weg hinauf bis zum Gipfel, wo ich die erwartet wundervolle Aussicht auf das Kap genieße. Würde man dem Weg weiter folgen, käme man nach einer gewissen Zeit zum Leuchtturm von Cape Foulwind.

Wir fahren herum um das Kap Richtung Westport, biegen aber nach links Richtung Cape Foulwind ab und nehmen Kurs auf den Top 10 Holiday Park. Weil wir recht früh dran sind, stellen wir unser Wohnmobil am herrlich langen und breiten Natur-Sandstrand auf der angrenzenden grünen Wiese ab. Unter großen schattenspendenden Bäume holen wir die Stühle raus und lassen uns vom unablässigen Rauschen und der schier endlosen Weite des Ozeans verzaubern. In knapp hundert Meter Entfernung steht ein Bulli dessen Fahrer ebenfalls am Strand sitzt. Irgendwann kommen 2 Leute mit Hund vorbei. Wir genießen die Einsamkeit und fühlen uns verbunden mit der Natur. Hin und wieder summen ein paar Insekten vorbei. Wir nehmen jedenfalls nicht wahr, dass wir eventuell auf ihrer Wiese für ungebetene Gäste gehalten werden könnten.

Weil ich unbedingt noch zum Leuchtturm möchte, fahren wir gegen Abend nochmals Richtung Cape Foulwind, diesmal von der nördlichen Seite. Vom Parkplatz aus führt ein moderater Anstieg auf einer Schotterpiste hinauf zum Leuchtturm. Von hier aus sind es noch mehr als 1 Km bis zur Seelöwenkolonie, da ist man von der anderen Seite besser bedient. Der Leuchtturm ist nicht gerade attraktiv, die Aussicht verspricht von unten mehr als sie von oben aus hält. Richtung Westport verunstaltet eine Kiesfabrik komplett die Schönheit der weiten Landschaft. Es lohnt sich wirklich nicht. Abends stellen wir in der lauen Luft lieber die Stühle raus und genießen eine schöne Flasche Pinot Noir Waipara Hills.
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[10. März] Westport - Motueka sonnig 24 °C

Durch die Buller Gorge geht es am Morgen in ruhiger Fahrt mit sehr wenig Verkehr und sehr schönen Ausblicken in die Berge Richtung Motueka. Eigentlich wollen wir bei Murchison über die Hängebrücke und ein wenig in der Schlucht laufen; weil das Ganze aber privat betrieben wird, kostet der Eintritt ein paar Dollar. Doch nur um auf der recht kleinen Hängebrücke ein paar Fotos zu machen, bezahlen wir natürlich kein Geld. Und irgendwelche anderen angepriesenen Abenteueraktivitäten wollen wir auch nicht haben. Also fahren wir gleich weiter und schrauben uns weiter hinauf in die Berge. Ziemlich weit oben angekommen, verspricht ein Hinweisschild am Straßenrand ein Lookout. Scharf gebremst, links abgebogen, und wir befinden uns auf einer Schotterpiste durch den Wald. Hoffentlich kommt jetzt keiner entgegen, denn wir füllen mit unserem Gefährt die gesamte Breite des Weges aus. Auf dem kleinen unbefestigten Parkplatz stellen wir unser Womo irgendwo am Rand ab, denn zwei andere Womos und ein paar SUVs füllen den Platz. Während wir die letzten Meter zu Fuß hinaufsteigen donnern noch 2 Womos die Anfahrt hinauf. Wo die sich wohl hinstellen, eigentlich ist gar kein Platz mehr. Wie wir wieder von diesem Platz kommen sollen ist mir schleierhaft. Oben angekommen hält sich der Ausblick in Grenzen. Da wir nicht genau wissen auf welche grünen Berggipfel bis zum Horizont wir hier ringsherum schauen, gehen wir bald wieder. Der Parkplatz ist jetzt leer. Ich will gar nicht wissen, wie die anderen hier alle weggekommen sind.

Nach der Mittagspause will ich die Dachluke wieder schließen. Der Drehmechanismus greift ins leere, die Luke bleibt offen. Nach dem Anlassen des Motors bleibt eine gelbe Warnlampe an. Nur keine großen Probleme jetzt, hier mitten in den Bergen. Motor Transmission Control sagt das Handbuch. Aber ich kenne das Symbol von unserem VW - es ist die Abgaskontrollleuchte, die gerne mal leuchtet. Die Warnleuchte ist eigentlich harmlos, nur dumm dass sie jetzt immer an bleibt, auch wenn der Motor nach dem erneuten Anlassen gar kein Problem zu haben scheint. Jetzt aber geht es darum in der Vermieterstation anzurufen und die Probleme auf Englisch zu erklären. Das mit der Warnlampe hätte ich ja noch hinbekommen, aber was zum Teufel heiß Dachluke und Drehmechanismus dreht ins Leere? Doch bei der Helpline von KEA kann man sich mit einem deutschsprachigen Mitarbeiter verbinden lassen und schnell war die Lösung nah: Die Lampe sollen wir einfach ignorieren. Das kannten wir ja schon von zu Hause. - Mal ein Tipp an die Autobauer: Wenn der Fehler wieder weg ist, sollte die Leuchte auch wieder ausgehen ohne dass man erst in die Werkstatt muss, damit die für 20 Euro mit dem Auslesen des Fehlerspeichers die Lampe ausknipsen. Wegen der Dachluke sollte ich an einer Tankstelle mal einen netten Tankwart fragen. Ja, die gibt es hier in Neuseeland tatsächlich.

Wir quartieren uns wieder auf dem Motueka Top 10 Holiday Park ein. Auch einen Schraubendreher bekomme ich, und damit kann ich den Drehmechanismus selber wieder reparieren. Screwdriver ist der Schraubenzieher und das mit dem Kreuzschlitz war denn auch cross und eine Handbewegung und nicht flat und eine Handbewegung - die technisch nicht versierte Dame an der Rezeption und mein nicht ganz reines Englisch stellten kein großes Problem bei der Verständigung dar. Wie wäre das wohl ausgegangen, wenn ich einen Torx-Schraubenzieher gebraucht hätte. Damit war nämlich das Gitter unter der Dachluke befestigt.... - später habe ich bei Leo.org gelernt, dass das Ding tatsächlich auch Torx auf Englisch heißt.

Wir nehmen uns wieder genau den gleichen schönen Schotterplatz wie vor zwei Jahren. Wir bevorzugen Schotterplätze anstelle von Rasenplätzen, weil vom nassen Rasen mehr Dreck ins Wohnmobil getragen wird, als von nassen Schotterplätzen. Damals urteilte ich über den Platz, dass ihm irgendwie der Charme fehlte. 30 Campingplätze später gefällt er uns ganz gut. Diesmal gibt es sogar eine kostenlose Spa-Nutzung dazu. Im Office des Holiday Parks buchen wir noch einen Ausflug mit dem Schiff in den Abel Tasman Nationalpark. Neben dieser Tour gibt es noch 100 andere, in allen möglichen Preis- und Leistungsklassen. Wer will, kann im und rund um den Abel Tasman Nationalpark leicht und locker 2 Wochen verbringen. Vom Campingplatz kann man auch gut zu Fuß nach Motueka hineinlaufen, worauf wir diesmal aber verzichteten.

Den Abend lassen wir diesmal mit einem schweren weißen Chardonnay, East Coast 2007, ausklingen und mit der Bewunderung der vielen Mückenstiche, die an Giselas Beinen anfangen zu jucken. Dass die Farbe der Stiche zu ihren roten Fußnägeln passt, kann sie auch nicht weiter trösten. Die Andenken hat sie sich gestern auf der grünen Wiese am Strand bei Westport geholt.
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[11. März] Motueka - Abel Tasman NP - Motueka sonnig 28 °C

Die Nacht war geprägt von Alpträumen, die wir beide durchleiden mussten - jeder hat natürlich einen anderen Traum gehabt -. Den schweren Wein von gestern Abend erklären wir erst mal für den Schuldigen, wir hätten doch beim Pinot Noir bleiben sollen. Um neun Uhr müssen wir schon in Kaiteriteri sein. Es fällt uns langsam schwer so früh aufzustehen. Die Straße dorthin ist mittlerweile in einem sehr guten Zustand, im Gegensatz von vor 2 Jahren. Der Katamaran, auf dem wir oben auf dem Sonnendeck Platz nehmen, fährt hoch bis Totaranui, fast bis an das Ende der Halbinsel des Abel Tasman NP. An dem Felsen der Seelöwenkolonie bewundern alle die dort herumtollenden Seelöwen. Ich frage mich, woran es wohl liegen könnte, dass ich überhaupt keine Tiere sehe und alle anderen um mich herum begeistert mit ahh's und ohh's ihrer Freude Ausdruck verleihen.

Die Küstenlandschaft ist immer noch ein Traum. Die Fahrt führt an den immer noch einsamen Ufern des Abel

Tasman Nationalparks entlang. Ein paar Kajakfahrer schaukeln im Meer. Sanfte Hügel, grüne Flora, goldgelbe Strände und Buchten, tiefblaues Meer. Man kann an den verschiedenen Buchten an Land gehen und eine kleine Wanderung zur nächsten Bucht machen, wovon auch viele der Mitfahrenden Gebrauch machen, und sich dort wieder aufnehmen lassen. Wir begeben uns diesmal wieder nicht in dieses abenteuerliche Erlebnis. Zum einen wurden wir beide am Strand am Schiffsanleger von aufdringlichen sand flies attackiert. Dann hat Gisela ja sowieso schon mit Stichen übersähte Beine. Und zu guter Letzt ist es nicht ganz ungefährlich: Beim Stopp an einer Bucht wird eine junge Frau vom Skipper vom Strand an Bord getragen zusammen mit ihrem Trecking Rucksack. Ein Knöchel ist angeschwollen und sie bekommt Eis zu kühlen. Wir kommen ins Gespräch mit ihr, denn es stellt sich heraus, dass die junge Deutsche an der heimischen Uni Sport studiert.
Die Welt ist klein. Sie war allein mit ihrem Rucksack auf den Wanderwegen unterwegs, ist ausgerutscht und umgeknickt und hat sich mindestens eine Verstauchung des Knöchels geholt. Beim Aussteigen in Kaiteriteri trug ich ihr den Rucksack zur Straße hinauf und wäre dabei fast zusammengebrochen, so schwer war er. Nein, sie wollte am Ort bleiben und sich von uns nicht weiter helfen lassen. Denn morgen plante sie eine Kajaktour. Den Optimismus wollten wir nicht mit ihr teilen, denn ihr Fuß war mittlerweile drei Mal so dick wie ihr gesunder. Aber die Illusion, morgen wieder mit ihrem Fuß in irgendeinen Schuh zu kommen, wollten wir ihr auch nicht nehmen. Nun, sie hatte noch vier Wochen vor sich und wir wünschten ihr Glück und gute Besserung.

Wir legen im Womo erst noch eine Mittagspause ein, um noch ein wenig die tolle Aussicht auf den Strand und den Blick über die türkiesblaue Tasman Bay bis hinüber zur bergigen Küste, die schon zum Marlborough Sound gehört, zu genießen. Weil es noch früh am Nachmittag ist, nehmen wir die abenteuerliche Serpentinenfahrt auf der SH 60 von Riwaka nach Takaka zur Golden Bay zu unternehmen - Ich habe ihr natürlich nicht gesagt was uns erwartet -. Die Fahrt hinauf auf den Takaka Hill übertrifft was sie verspricht, und sie toppte tatsächlich den Aufstieg von Queenstown nach Cardona. Es ist die kurvenreichste Herausforderung Neuseelands und überrascht mich auch noch. Steilste Anstiege, die manchmal das Herunterschalten in den ersten Gang nötig machen, - ätzend, wenn dann der Gang nicht rein will -, enge Kurven, rechts, links, 180 Grad Kehren mit Anstieg. Die Kurbelei mit dem Lenkrad ist Armtraining der übelsten Sorte, immerzu unterbrochen vom Schalten. Hin und wieder gibt es kleine Haltebuchten, die aber besetzt sind von anderen Fahrzeugen. Ganz klar, als Fahrer habe ich während des Anstiegs nichts von der Landschaft gesehen, genauso wenig wie Gisela, die sich krampfhaft am Sitz festhält. Endlich, wir sind noch nicht ganz oben, taucht eine freie kleine Haltebucht auf. Und nun, endlich, können wir eine atemberaubende Aussicht auf die Landschaft der Tasman Bay in uns aufsaugen. Hätte ich jetzt bloß die Entscheidung getroffen, von hier aus wieder zurückzufahren. Denn, wer weiter fährt, muss auf der anderen Seite des Berges wieder runter und das auf kürzester Entfernung. Und später das Ganze in umgekehrter Richtung wieder zurück! Es dauert alles länger als ich dachte. Und bis zur Golden Bay ist es weiter als ich dachte. In Waitapu angekommen haben wir eigentlich gar keinen rechten Plan, wohin, und auch gar keine Zeit mehr, denn wir hatten an diesem Abend den Spa gebucht und wir müssen den gleichen Weg über den Berg wieder zurück.

Schwer gezeichnet von der Kurverei kehren wir nach Motueka zurück und lassen uns vom Bad im Spa die Lebensgeister wiedergeben. Doch dabei erinnern wir uns gerne an die tollen Aussichten. Das ist Neuseeland, hier würden wir gern länger bleiben. Den Abend lassen wir diesmal ohne die Weinflasche ausklingen, weil wir nur den Alptraumwein im Kühlschrank haben. Stattdessen beschäftige ich mich mit der Verpflasterung der langsam sich entzündenden Insektenstiche an Giselas Beinen.
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[12. März] Motueka - Nelson - Motueka wolkig 20 °C

Der Weinverzicht am Vorabend hat sich ausgezahlt, und so machen wir uns gut ausgeschlafen auf den Weg nach Nelson. Ich verlasse mich heute komplett auf das Navi, weil ich ihm zuvor genaueste Anweisungen in Form von detaillierten Systemeinstellungen und Zielangaben gemacht hatte. Ich wäre zwar Teile der Strecke so nicht gefahren, doch schließlich stellen wir unser Womo auf dem Parkplatz der i-Site neben dem Büro des AAA und einem Simply New Zealand Laden ab. Von hier aus laufen wir direkt die hübsche Trafalgar Street hinunter bis zum gleichnamigen Memorial und der Kirche. Leider ist heute kein Markt, da hatte ich mich insgeheim drauf gefreut. Dafür stolpern wir über eine German Würstchenbude, die aber leider noch geschlossen hat.

Vom Parkplatz ist es nicht weit bis zum Mittelpunkt Neuseelands am Ende der Milton Street. Ausgeschildert ist er, der Mittelpunkt, er befindet sich anscheinend auf dem neben dem Branford Park liegenden Berg. Der Fußweg hinauf ist gesperrt. Ist vielleicht auch besser so, denn der Aufstieg sieht sehr beschwerlich aus. Deshalb fahren wir lieber zum Founders Heritage Park, der liegt weiter nördlich im weiteren Verlauf der Milton Street. Direkt vor dem Eingang ist ein Parkplatz, auf dem auch Womos parken dürfen. Das Parken ist in den Städten manchmal ein Problem. Der Park ist ein sehr schön hergerichtetes Freilichtmuseumsdorf, in dem die neuseeländische Gründerzeit der weißen Einwanderer gezeigt wird. U.a. ist Großmutters Bäckerladen mit angeschlossener Backstube und der Saloon richtig in Betrieb; die Auslagen im Laden des Kolonialwarenhändlers sind hinter einer Glasscheibe zu bewundern. Die schmucken Häuser sowie die Gartenanlage werden liebevoll von Privatleuten gepflegt. Der Eintritt beträgt 7 Dollar.

Eigentlich wollten wir auf dem Top 10 Platz in Richmod die Nacht verbringen, doch der Platz liegt direkt an dem vielbefahrenen State Highway 6. Nein, dann fahren wir lieber die 50 Km zurück nach Motueka. Der Holiday Park dort wird bei jedem Besuch schöner. Zuvor bummeln wir aber noch durch die nebenan gelegene Richmond Mall, nach dem ich zwei Mal vergeblich versucht hatte das Womo in einen PKW-Parkplatz zu operieren. Unser rollendes Heim ist mit seinen 6,80m einfach zu lang um in normale Parkbuchen in Shopping Center zu passen. Auf dem angrenzenden Pak'n Save Parkplatz belegen wir wieder vier Parkplätze und nutzen die Gelegenheit, um die Vorräte aufzufüllen. Auf dem Heimweg nach Motueka spielen sie doch tatsächlich die deutsche Version von den 99 Luftballons von Nena. Warum bleiben wir eigentlich nicht eine ganze Woche oder sogar gleich ganz hier.

Der Himmel zieht sich am Abend mit schwarzen regenschwangeren Wolken zu und gleichzeitig bläst ein immer stärker werdender Sturm durch die Bäume. Hoffentlich können wir trotzdem schlafen. Zuvor gibt's aber noch einer Runde Pflaster auf die Beine, heute mit einer Salbe aus der Reiseapotheke.
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[13. März] Motueka - Kaikoura sonnig 22 °C

Der Sturm hat sich am Morgen wieder gelegt, der Himmel klart auf, und wohl auch deshalb gab es mit 10 Grad die bisher die kälteste Nacht. Die Strecke nach Kaikoura führt uns ein letztes Mal um die Tasman Bay herum und an Nelson vorbei. Am liebsten würde ich wegen des tollen Panoramas noch einmal hin und her fahren. Die Bay mit den vom Horizont immer näher heranrückenden Bergen bis Nelson ist einfach nur schön. Auf dem State Highway 6 schrauben wir uns auf schmalen Serpentinen hinauf und ins Gebirge hinein. Oben sind die Straßen sehr gut ausgebaut. Gleich hinter der Pelouros Bridge ist links ein Parkplatz mitten im Regenwald, gegenüber der gleichnamige Campingplatz. Wir steigen aus und schauen uns die einspurige Brücke und die kleine Schlucht des Pelouros Rivers genauer an. Wenn die Fahrzeuge über die Brücke donnern haben wir das Gefühl, die Schwingungen der Brücke katapultieren uns gleich in die Höhe. Der Fluss selber führt nur wenig Wasser.

Ab hier wird die Landschaft karger und die eigentlich wohl grünen Hügel zeigen sich mit braunem vertrocknetem Gras bewachsen. Später, als wir die bis zum Horizont reichenden grünen Weinfelder durchfahren, sind wir bald in Blenheim. Die Namen der Weingüter kommen uns von den Weinregalen der Supermärkte bekannt vor. Am liebsten würden wir ja mal der einladenden Schilder zur Weinprobe folgen. Doch dann muss man entweder hier übernachten oder mit dem Bus herkommen. Hinter Blenheim Richtung Süden schließt sich eine karge, braune, nicht enden wollende Hügelkette an. Man merkt auch hier sehr deutlich, dass es seit Wochen nicht mehr geregnet hat. Und dann, plötzlich hinter einer Rechtskurve, gibt die Hügelkette den Blick auf den Pazifik frei und die scheinbar endlos lange Küstenlinie. Die Straße führt nun meistens direkt am Ozean entlang. Auf der anderen Seite folgt alsbald Regenwald bis hinauf in die direkt sich auftürmenden Berge. "Great Ocean Road" kommt mir gleich wieder in den Sinn. Rastplätze gibt es zwischen Blenheim und dem Pazifik überhaupt nicht, man muss Geduld haben, bis die Küstenstraße erreicht ist, dann folgen viele schöne Stellen. Irgendwann erreichen wir Kaikoura und mieten uns für zwei Tage auf dem Top 10 Holiday Park ein. Der liegt genau zwischen der SH 1 und der Bahnlinie, die hier direkt am Ozean entlang führt. Straßenlärm nehmen wir nicht wahr, doch die Eisenbahn scheint mitten durch die Anlage zu fahren.

Weil die Schiffe immer früh ausgebucht sein sollen, besorgen wir uns heute noch die sündhaft teuren Tickets für das Kaikoura Whale Watching morgen früh zu 9:30 Uhr. Das Ticket-Center ist im Bahnhof untergebracht, der Top 10 Platz liegt genau gegenüber, nur durch die Schienen - und einer Mauer - getrennt.

Trotzdem gibt es keine direkte Verbindung, man muss einen ganz schönen Umweg in Kauf nehmen. Am Bahnhof gibt es viele Parkplätze, die so groß bemessen sind, dass wir mit unserem Womo auch Platz finden. Anschließend fahren wir noch bis zum Ende der Kaikoura Halbinsel, sie ist einfach ein Muss. An deren Ende liegt ein ebenfalls ein großer Parkplatz, auf dem wir ebenfalls Platz finden. Ein Seelöwe rekelt sich in der Sonne auf auf einem Felsen am Strand und lässt sich überhaupt nicht von den Touries stören. Manche versuchen sogar so nah mit ihrem Fotoapparat auf seinen Pelz zu rücken, dass sie ihr Spiegelbild in seinen Augen sehen können. Im Wasser tobt eine Gruppe von Seelöwen herum.
Vom Parkplatz aus führt ein befestigter steiler Weg hinauf auf den Felsen. Oben werde ich belohnt mit einem grandiosen Panorama über Kaikoura und die dahinter empor wachsende Bergkette, der Seaward Kaikoura Range. Jetzt im Spätsommer liegen dort oben immer noch Schneereste. Wie schön es mit der Schneehaube im Frühjahr aussieht, kann man auf den einschlägigen Postkarten bewundern. Gegen Abend bezieht sich der Himmel, hoffentlich scheint morgen wieder die Sonne.
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[14. März] Kaikoura sonnig 28 °C

Natürlich scheint am Morgen die Sonne, der Himmel ist blau, der Ozean ist ruhig. Heute wollen wir Wale sehen. Um es kurz zu machen: Wir sehen keine Wale. Nicht einen. Auch keine Delfine. Nur 2 Albatrosse. Der Skipper fährt kreuz und quer auf dem Pazifik herum, lässt Horchapparate ins Wasser. Nichts. Das Meer ist recht ruhig, das Schiff schaukelt nur, wenn es fährt, also ideales Fotografierwetter. Doch nichts zu sehen von den größten Meeressäugern der Welt. Eine Videoshow im Inneren des Schiffes zeigt uns, wie es hätte ausgesehen, wenn wir Wale zu Gesicht bekommen hätten. Nach 3 Stunden sind wir wieder zurück und lassen uns die 80% des Preises zurückgegeben. Schade. Nun gehören wir also den 5% an, die keine Wale gesehen haben.

Ob das Einchecken am Morgen immer so lange dauert weil die vorher schon wussten, dass keine Wale in der gegen sind, weiß ich nicht. Eigentlich sollte um 9:30 Boarding Time sein, stattdessen wurden wir in einen sog. briefing room geschickt. Hier läuft ein Wal-Video. Da immer mehr Leute kommen, wird es so stickig, dass einem schlecht wird. Laufend kommen Durchsagen, man solle sich in diesem Raum einfinden. Kurz nach 10 Uhr wurden wir über die verschwundenen Wale informiert und anschließend trotzdem mit Bussen zum Hafen gefahren. An Bord des Katamarans wurden wir dann mit einem Wal-Video und Life Kommentar unterhalten. Ca. 1 Stunde lang ging die Fahrt hinaus auf den Pazifik. Obwohl das Wetter ruhig war wurden wir ordentlich durchgeschüttelt. Wie gesagt, auch Stellungswechsel halfen nichts, heute tauchten keine Wale auf.

Weil unser Standplatz diesmal sehr günstig vor den Sozialeinrichtungen des Holiday Parks liegt, betreiben wir mal wieder Camper Studien. Da sind die Neuseeländer, die barfuss zur Dusche gehen, und sich beim Rückweg die frisch geduschten Füße wieder schmutzig machen, weil sie immer noch barfuss laufen. Die Wege zur Dusche sind mit Split aufgefüllt und uns wird ganz anders, wenn wir uns vorstellen, wir müssten barfuss darüber hinweg laufen.

Die Duschen auf diesem Platz bieten eine Besonderheit, die, wenn man sie das erste Mal benutzt, nur Kopfschütteln auslöst, doch später zu einem kleinen Erlebnis werden kann.
Vor der Duschkabine ist ein Münzautomat. 50 ct. einwerfen, Knopf drücken. Ab jetzt hat man 1 Minute Zeit, sich zu entkleiden - in der Zeit gibt es noch kein Wasser- . Nach der Minute hat man für 6 Minuten heißes Wasser. Da man ja unter der Dusche evtl. keine Uhr hat, kommt nach 5 Minuten ein kurzer Schwall kaltes Wasser. Nach einer weiteren Minute kommt dann nur noch kaltes Wasser. Wer noch heißes Wasser benötigt, muss dann wieder raus aus der Duschkabine, 50 ct. einwerfen, 1 Minute auf das heiße Wasser warten.

Wir bereiten unser Abendessen immer im Wohnmobil zu, ist ja alles vorhanden und es ist gemütlich hier drinnen. Draußen geht gerade eine Frau mittleren Alters mit einem Netz Kartoffeln und einem Topf in die Küche. Ein paar Minuten später kommt sie mit den geschälten Kartoffeln im Topf zurück und geht zum Wohnmobil. Kurze Zeit später trägt sie die jetzt klein geschnippelten Kartoffeln in einer Pfanne in die Küche. Sie taucht wieder auf, als die Bratkartoffeln fertig sind, trägt sie ins Wohnmobil und kommt mit einer anderen Pfanne mit Fleisch zurück. Wir warten noch mit dem Abwaschen, bis sie mit dem gebratenen Fleisch wieder aus der Küche kommt und im Womo verschwindet. Als wir uns fertig machen zum Abendspaziergang sehen wir, wie sie mit einer Waschschüssel mit Pfannen und Tellern wieder auf den Weg in die Küche ist. Nebenbei gesagt, ist ihr Wohnmobil genauso groß wie unseres, auch ausgestattet mit einer Küche. Nein, wir werden wohl nie richtige Camper werden, deshalb brechen wir jetzt unsere Studien ab und laufen noch ein wenig in den Ort Kaikoura hinein und die Hauptstraße rauf und wieder runter.
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[15. März] Kaikoura - Picton sonnig 23 °C

Nach dem Frühstück, bei dem wir weitere Camper Studien betreiben konnten, nehmen wir wieder Fahrt auf Richtung Picton. Heute Morgen ist es etwas diesig, doch die Sonne kommt bald heraus. Die ersten 40 Km nach Norden fahren wir auf der Küstenstraße durch eine wundervolle wilde Küstenlandschaft mit grünem Regenwald an den Berghängen. Wie abgeschnitten folgt dann über 30 Km hinweg eine braune Hügellandschaft an der Küste, deshalb braun, weil es lange nicht geregnet hat. Dann biegt die Straße ab ins Landesinnere und es folgen weitere 50 Km langweilige braune Hügellandschaften bis Blenheim. Picton ist immer noch ein kleiner verschlafener Ort. Bis hierhin wird meine damalige Einschätzung bestätigt. Aber den Ort würde es auch ohne den Fährhafen geben, alleine schon deshalb, weil der Queen Charlotte Drive hier endet. Er bietet nämlich traumhafte Ausblicke auf den Marlborough Sound. Wir sind nur ein kleine Stück von Picton aus heraufgefahren, dennoch kommen wir an traumhaften Panoramen vorbei. Weniger traumhaft ist die Straße an sich, die nur aus Kurven besteht. Sie verlangt einem nicht das fahrerische Können ab, wie die Straße zum Takaka Hill hinauf bei Motueka. Doch hier brettern Holzlaster um die Kurven, dass einem angst und bange wird.

Das schön hergerichtete Hafengebiet Pictons lädt immer noch ein, um auf einer Bank sitzend die ankommenden und abfahrenden Fähren zu beobachten. Für 16 Dollar essen wir in einer Art Kneipe für Rocker frischen Fisch und Pommes Frites (Fish & Chips) und bummeln etwas in die vielen Geschäfte auf der High Street. Auf der Hafenpromenade laden viele Bänke zum Ausruhen ein und so genießen wir unter einem Baum den Blick auf Wasser, Berge und die ein- und auslaufenden Fähren. Da wir wieder den schön gelegenen Parklands Marina Holiday Park an der Waikawa Road ansteuern wollen, fahren wir die Straße zu erst geradeaus weiter am Queen Charlotte Sound entlang. Nach ca. 4 Km taucht ein Schotterparkplatz oberhalb des Wassers auf, der auch Platz für unser Womo bietet. Eine Bank lädt uns ein, die grandiose Aussicht zu genießen. Schade, dass nicht gerade ein Fährschiff vorbei kommt. Es ist ganz still um uns herum, man kann kaum glauben, dass diese scheinbar abgeschiedene Wildnis nur ein paar Kilometer von Picton entfern ist.
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[16. März] Picton sonnig17 °C,  Wellington - Wanganui wolkig20 °C

Zum letzten Mal frühstücken wir auf der Südinsel. Wehmut mischt sich in den Kaffee. Wir hatten eine sehr schöne Zeit auf der Südinsel, die viel zu schnell vergangen ist. Am liebsten würden wir hier bleiben. Doch wir wollen ja heute noch zur Nordinsel, die Fähre ist gebucht.
Wir erleben Picton heute Morgen doch noch als lebendige Stadt, denn wir fahren kurz vor Schulbeginn zum Fährhafen. Es ist genauso wie in Deutschland, die Kinder aus dem Ort laufen blindlings über die Straße oder werden von ihren Müttern an den unmöglichsten Stellen aus dem Auto gelassen. Die anschließend losfahrenden Vorbilder achten dabei winkend auf ihre Kinder und weniger auf den fließenden Verkehr.

Wir sind mit die ersten in der Wartezone der Interislander Fähre; doch unsere Reihe ist die Letzte, die auf das Schiff kommt. Typisch. So kommen wir auch als Letzte auf Deck und finden aber einen akzeptablen Aussichtsplatz am Heck. Es ist wieder ein Genuss, die ruhige Ausfahrt auf dem oberen Deck bei strahlendem Sonnenschein durch die Inselwelt

bis zum offenen Meer zu beobachten. Nach über einer Stunde und der letzten Kurve bei Arapawa Island erreichen wir plötzlich das offene Meer, die Cook Street. Der einem jetzt ins Gesicht peitschende Sturm ist besser von drinnen zu erleben. In der Ferne ist die Nordinsel schon im Blick und trotzdem wird es noch 2 Stunden dauern, bis wir wieder anlegen. Die Schlauen unter den Fahrgästen haben bis jetzt ihr Essen eingenommen, denn obwohl das Meer scheinbar ruhig ist, sieht man mal nur die Wolken ohne den Horizont, dann wieder nur das Wasser ohne den Himmel.

Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis in den Naturhafen Wellingtons einzufahren und die Silhouette der langsam näherkommenden Hauptstadt anzuschauen. Der Sturm ist erstaunlicherweise geblieben, und pustet mich fast vom Bug, als ich mit vielen anderen hier Fotos mache. Gegen 13:30 Uhr legen wir an. Die Stadt hatten wir bei der letzten Reise erkundet, sodass wir uns gleich auf den Weg nach Norden machen.
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Wie die Reise weitergeht, steht im Reisebericht Nordinsel Neuseeland 2010.
Wie das aktuelle Wetter in Neuseeland gerade ist, erfährt man beim Neuseeland Wetterdienst.
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